Der Huf lebt - und er kann auch nach Beschlag barhuf gehen

Jedes Pferd, jeder Rasse und jeden Alters kann barhuf laufen. Denn dafür hat die Natur den Huf konstruiert. Eigentlich. Warum die Einschränkung?

Auch vormals beschlagene Pferde können barhuf laufen, jedoch nicht immer sofort.

Es kommt auf das Gesamtpaket der Maßnahmen und den "good will" und jeder Menge Disziplin des Besitzers an. Ich erlebe immer wieder Pferde, die nach jahrelangem Beschlag sofort und sehr gut barhuf gehen können, wiederum andere kommen ohne temporären Hufschutz in Form von Hufschuhen in der ersten Zeit nicht aus. Das hängt sehr von der Gesamtsituation der Hufe ab und welche Probleme die Pferde schon haben. Auch eine mangelnde Nährstoffversorgung kann ein uneingeschränktes Barhuflaufen boykottieren. Ich habe aber bisher noch kein Pferd gehabt, welches ich auf barhuf umgestellt habe, und der Besitzer es wegen "geht nicht" wieder hat beschlagen lassen. Alle umgestellten Pferde laufen immer noch barhuf. Was man braucht ist: Zeit. Geduld. Rücksicht.

Auch muss man berücksichtigen, dass sich über die lange Beschlagszeit Schäden der inneren Strukturen entwickelt haben; Zwanghufe beispielsweise kann man nicht mal eben so weiten, das ist Etappenarbeit, aber der Zwang schmerzt den Pferden auch. Auch degenerierte Strähle bescheren den Pferden Schmerzen, wenn sie sofort belastet werden, denn unter Beschlag erfährt der Strahl in den meisten Fällen keine Stimulation und verkümmert. Auf diese Weise kann er seiner Funktion als Dehnungsfuge bei der Stoßdämpfung nicht nachkommen.
Desweiteren empfehle ich auch, die Tiere in den ersten Wochen nicht oder wenn nur wenig mit Training zu belasten. Spaziergänge und Bewegung, vor allem stressfreie und dauerhafte  Eigenbewegung ist ungemein wichtig, Belastung durch Reiten oder Longieren jedoch nicht. Eine Umstellung von Beschlag auf Barhuf ist wie ein Reha-Aufenthalt. Alles befindet sich im Aufbau, in der Regeneration. Nerven und Gefäße des Hufes werden wieder aktiviert, erhöhtes Hornwachstum stellt sich ein, die Sohle lernt wieder belastet zu werden, das bedeutet nicht automatisch, dass die Hufe dann schon voll belastbar und leistungsfähig sind. Der gesamte Körper des Pferdes erfährt eine Veränderung. Wer das beherzigt, erfährt keine Rückschritte.

In dieser Umstellungsphase müssen wir immer für Eines sorgen, egal wie die Hufe aussehen:

Den Laufkomfort für das Fluchttier Pferd.

Denn ein Pferd mit Schmerzen ist nicht nur körperlich, sondern auch psychisch gestresst. Dadurch können sich weitere Probleme für den Körper des Pferdes ergeben; denn Schmerzen oder generelles Unwohlbefinden verursacht immer Eines: Verspannungen jedweder Art. Und ein verspanntes Pferd ist definitiv nicht leistungsfähig.

Weiche Böden oder Hufschuhe und viel freie Bewegung  sorgen in den ersten Wochen für eine schonende und unproblematische Umstellung. Dabei kann die bis dahin schwache Sohle sich nach und nach verstärken, denn mit Einsetzen der Hufpumpe (siehe "Der Huf-Anatomie und Mechanik") nach Entfernen des Beschlags wird die Durchblutung wieder optimal angeregt. Damit diese nicht gestört wird, ist es eben so wichtig, dass die Sohle während der Umstellungszeit keine Traumen oder Prellungen erleidet. Wird die Durchblutung gestört beispielsweise durch zuviel Druck oder andauernden Druck, erleidet das Gewebe sozusagen Hunger und das Wachstum des Sohlenhornes wird eingeschränkt. Auf weichen Böden oder mit gut gepolsterten Schuhen erfährt die Sohle eine optimale Anregung der Durchblutung durch Druck und Entlastung im Wechsel und dadurch auch entsprechende Nährstoffversorgung. Auf diese Weise können Lederhautentzündungen gar nicht erst entstehen.

Hierbei setze ich bei Bedarf  die Hufschuhe Equine Fusion Jogging Shoes ein, die man später auch zum Reiten verwenden kann. Es gibt sie für runde Hufe und auch für ovale. Auch mit den Engl Filzschuhen und den Easyboot RX arbeite ich gerne, diese beiden Modelle sind jedoch reine Therapieschuhe und nicht zum Reiten geeignet. Der Easyboot Cloud mit Comfort Pads hat sich ebenfalls bewährt als Langzeitschuh. Der Equine Fusion Recovery ist als Therapieschuh mit seiner kräftig profilierten Sohle auch bei Schnee einsetzbar, da aufgrund des Sohlenprofils das Rutschen sich in Grenzen hält.
In stark matschigen Ausläufen versagt jedoch nahezu jeder Schuh. Die Haltungs- und Bodenverhältnisse spielen also eine ebenfalls sehr gewichtige Rolle.

Ich stelle bevorzugt zum Frühjahr um, wenn die Frostzeiten vorbei sind. Dann können die Hufe komplikationslos regenerieren und die folgende Winterphase stellt keine Probleme mehr dar.  Sind alle 4 Hufe beschlagen, entferne ich den Beschlag vorzugsweise in zwei Intervallen, erst hinten, dann zwei Wochen später vorne.
Für den Besitzer bedeutet das für einige Zeit eine Einschränkung der Nutzbarkeit. 
Je mehr Zeit man sich aber läßt, umso schneller kommt man an sein Ziel.

Wer aus Respekt vor dem Lebewesen handelt, der zeigt seinem Partner Pferd die Wertschätzung die es verdient und stellt seinen Anspruch gerne mal für einige Zeit zurück. Ein Pferd beschlagen zu lassen, nur um es nutzen zu können ist in der heutigen Welt unserer domestizierten Freizeitpferde absolut keine Notwendigkeit mehr, scheitert aber meistens am reiterlichen Ego. Grenzenlose Verfügbarkeit stets und jederzeit.

Unsere Pferde müssen heute keine Postkutschen mehr ziehen, mit denen sie wochen- oder monatelang auf harten Böden unterwegs sein müssen.  Ebenso wird man mit einem Beschlag einen ohnehin erkrankten Huf nicht heilen können, denn mit einem Beschlag stellt man definitiv keine Ursache ab, die für eine Rehabilitation jedoch zwingend erforderlich ist. Es gibt heute eine Vielzahl an hervorragenden Hufschuhen, die auch für härtere und längere Einsätze absolut geeignet sind.


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